Die inneren Antreiber

Kennen Sie Situationen, in denen Sie in Stress und Panik verfallen und denken „Wieso? Ich könnte das alles auch viel lockerer nehmen...“ In solchen Situationen sind Sie an Ihre inneren Antreiber geraten. Das sind Anforderungen, die wir (oftmals unbewusst) an uns selbst richten. Wir versuchen, diesen Anforderungen zu entsprechen. Durch diese ständig bestehenden Anforderungen geraten wir leicht selbst in Stress. Es kann auch schnell passieren, dass wir andere unter Druck setzen, indem wir an sie dieselben Ansprüche stellen. Oft werden diese Verhaltensmuster bereits in der Kindheit von den Eltern geprägt. Kinder lernen von den Eltern, was richtig ist und wie man okay ist. Wenn wir unsere Antreiber kennen, können wir das Maß der Anforderungen auf den richtigen Level reduzieren. So verringern wir unseren Stress und den Druck auf andere.

 

Was treibt mich an?

Bewerten Sie bitte die nachfolgenden Aussagen mithilfe der Bewertungsskala (gar nicht / kaum / etwas / trifft zu / stimmt voll und ganz), so wie sie jetzt gerade auf Sie zutreffen. Klicken Sie das entsprechende Kästchen an. Vorsicht: pro Zeile nur ein Kästchen ankreuzen, da sonst Ihr Ergebnis verfälscht wird.

 

nicht - ganz

1. Wann immer ich eine Arbeit mache, dann mache ich sie gründlich.

2. Ich fühle mich verantwortlich, dass diejenigen, die mit mir zu tun haben, sich
     wohl fühlen.

3. Ich bin ständig auf Trab.

   4. Anderen gegenüber zeige ich meine Schwächen nicht gerne.

5. Wenn ich raste, dann roste ich.

6. Häufig gebrauche ich den Satz "Es ist schwierig, etwas so genau zu sagen".

   7. Ich sage oft mehr, als eigentlich nötig wäre.

   8. Ich habe Mühe, Leute zu akzeptieren, die nicht genau sind.

   9. Es fällt mir schwer, Gefühle zu zeigen.

10. „Nur nicht lockerlassen” ist meine Devise.

11. Wenn ich eine Meinung äußere, begründe ich sie auch.

12. Wenn ich einen Wunsch habe, erfülle ich ihn mir schnell.

13. Ich liefere einen Bericht erst ab, wenn ich ihn mehrere Male überarbeitet habe.

14. Leute, die „herumtrödeln”, regen mich auf.

15. Es ist wichtig für mich, von anderen akzeptiert zu werden.

16. Ich habe eher eine harte Schale, aber einen weichen Kern.

17. Ich versuche oft herauszufinden, was andere von mir erwarten, um mich danach
       zu richten.

18.  Leute, die unbekümmert in den Tag hinein leben, kann ich nur schwer verstehen.

19. Bei Diskussionen unterbreche ich oft.

20. Ich löse meine Probleme selbst.

21. Aufgaben erledige ich möglichst rasch.

22. Im Umgang mit anderen bin ich auf Distanz bedacht.

23. Ich sollte viele Aufgaben noch besser erledigen.

24. Ich kümmere mich persönlich auch um nebensächliche Dinge.

25. Erfolge fallen nicht vom Himmel, ich muss sie hart erarbeiten.

 

nicht - ganz

26. Für dumme Fehler habe ich wenig Verständnis.

27. Ich schätze es, wenn andere auf meine Fragen rasch und bündig antworten.

28. Es ist mir wichtig, von anderen zu erfahren, ob ich meine Sache gut gemacht habe.

29. Wenn ich eine Aufgabe einmal begonnen habe, führe ich sie auch zu Ende.

30. Ich stelle meine Wünsche und Bedürfnisse zugunsten anderer Personen zurück.

31. Ich bin anderen gegenüber oft hart, um von ihnen nicht verletzt zu werden.

32. Ich trommle oft ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch.

33. Beim Erklären von Sachverhalten verwende ich gern die klare Aufzählung:
      Erstens ..., zweitens ..., drittens ...

34. Ich glaube, dass die meisten Dinge nicht so einfach sind, wie viele meinen.

35. Es ist mir unangenehm, andere Leute zu kritisieren.

36. Bei Diskussionen nicke ich häufig mit dem Kopf.

37. Ich strenge mich an, um meine Ziele zu erreichen.

38. Mein Gesichtsausdruck ist eher ernst.

39. Ich bin nervös.

40. So schnell kann mich nichts erschüttern.

41. Meine Probleme gehen die anderen nichts an.

42. Ich sage oft: „Macht mal vorwärts”.

43. Ich sage oft: „Genau”, „exakt”, „klar”, „logisch”.

44. Ich sage oft: „Das verstehe ich nicht...”

45. Ich sage eher „Könnten Sie es nicht einmal versuchen?” als „Versuchen Sie es
      einmal”.

46. Ich bin diplomatisch.

47. Ich versuche, die an mich gestellten Erwartungen zu übertreffen.

48. Beim Telefonieren bearbeite ich nebenbei oft noch Akten.

49. „Auf die Zähne beißen” heißt meine Devise.

50. Trotz enormer Anstrengung will mir vieles einfach nicht gelingen.

Ihre Punkte für Ihre Antreiber:

0 Punkte für "Sei perfekt!"

0 Punkte für "Mach schnell! / Beeil dich!"

0 Punkte für "Streng dich an!"

0 Punkte für "Mach es allen recht! / Sei gefällig!"

0 Punkte für "Sei stark!"

 

Wenn bei Ihnen der Wert eines Antreibers 40 übersteigt, darf mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass dieser Antreiber Ihr Verhalten wesentlich beeinflusst und mitbestimmt.

© für diesen Fragebogen bzw. zitiert nach: Kälin, Karl; Müri, Peter: Sich und andere führen Ott Verlag, Thun 2000 (12. Auflage). Die soeben ermittelten Werte können Sie direkt in die grafische Darstellung im Buch übertragen.

Nachteile und Vorteile der inneren Antreiber

So wie alles auf der Welt haben auch die inneren Antreiber nicht nur Schatten-, sondern auch ihre positiven Seiten.

Sei perfekt!

Nachteil: kein 80/20, 100 % Ausführung, Übererfüllung der Ziele
Vorteil: hilft bei Aktivitäten, die Sorgfältigkeit und Genauigkeit, Kompetenz und Perfektionismus verlangen

Sei schnell! 
Beeil dich!

Nachteil: wenig Zeit geben, unter Zeitdruck stehen, oft keine sozialen Kontakte
Vorteil: Dinge sehr schnell zu erledigen, rasch Entscheidungen treffen

Mach es allen recht!
Sei gefällig!

Nachteil: nicht Nein sagen, keine Abgrenzung, wird gern ausgenutzt, eigene Bedürfnisse zählen nicht
Vorteil: beliebt, kommt gut an, soziale Kompetenz

Streng dich an!

Nachteil: nicht zufrieden wenn es leicht geht, verbissen, viel Stress, zuviel des Guten
Vorteil: evtl. Karriere machen

Sei stark!

Nachteil: Selbstüberschätzung, kommt selbst zu kurz, keine Schwächen zeigen, Heldentum um jeden Preis
Vorteil: bekommt oft verantwortungsvolle Tätigkeiten

 

Diese inneren Antreiber können besser kontrolliert werden, wenn Sie ihnen entsprechende Gegenargumente, „Erlauber” entgegenhalten. So könnte jemand, der stets perfekt sein will, dem inneren Antreiber antworten: „Es ist nicht tragisch, wenn ich Fehler mache. Aus Fehlern kann ich lernen.” Oder wer immer stark sein will, kann sich sagen: „Ich darf mir Hilfe holen. Dadurch verliere ich nicht mein Gesicht.”

© Weitere Antreiber, die noch tiefer sitzen, hat Erik Blumenthal in seinem Buch Wege zur inneren Freiheit - Praxis und Theorie der Selbsterziehung, Rex Verlag Luzern und Stuttgart bereits 1981 als tief sitzende und kaum bewusste privat-logische Lebensstilsätze aufgezeichnet: